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Der
Wurmbefall bei Zuchthündinnen und Welpen ist weit verbreitet und
kann schwerwiegende Gesundheitsschäden auslösen.
In
den folgenden Beiträgen aus:
DER HUND Sonderdruck aus dem Sonderheft "Erfolgreich Hunde Züchten"
schreibt,
Dr. med. vet. Stefanie Thiele
*
*(studierte Veterinärmedizin
an der FU Berlin und promovierte 1990. Nach praktischen Erfahrungen in
verschiedenen Kleintierpraxen ist sie seit 1993 als kaufmännisch
wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Derzeitiges Spezialgebiet:
Endoparasitika und Antiinfektiva bei Kleintieren)
Züchter
sollten durch regelmäßiges Entwurmen den Wurmbefall ihrer Hundefamilie
in Grenzen halten.
Untersuchungen an 540 Hunden aus
gut geführten und tierärztlich betreuten Zwingern weisen bei
über 67 Prozent der Würfe und bei 45 Prozent der Zuchthündinnen
den Befall mit einer spaghettiähnlichen Rundwurmart, den Spulwürmern,
nach. Die tatsächliche Befallshäufigkeit der Welpen mit Spulwürmern,
vor allem mit der Art Toxocara canis, dürfte nach Schätzung
der Experten bei nahezu 100 Prozent liegen. Weitere Rundwurmarten, wie
Haken- und Peitschenwürmer, sind zwar seltener, aber gerade Hundezuchten
haben große Probleme mit der Bekämpfung dieser Parasiten.
Ursache für die starke Verwurmung ist nicht nur der besondere Entwicklungszyklus
einiger Rundwurmarten, der kaum zu unterbrechen ist. Auch die verschiedenen
Infektionswege (siehe Tabelle ) erschweren eine vollständige Entfernung
der Parasiten.

Larvenruhe bringt jahrelang
Gefahr
Nach Aufnahme der Wurmlarven
bewegen sich diese durch den Körper ihres unfreiwilligen Wirtes.
Sie schädigen dabei das Gewebe und die Organe der Hunde. Schließlich
gehen einige der wandernden Rundwurmlarven in einen besonderen Ruhezustand,
die sogenannte Hypobiose, über. Sie bleiben in diesem Stadium, vor
allem in der Muskulatur, jahrelang infektionsfähig.
Ob eine Körperwanderung der Wurmlarven stattfindet, hängt von
mehreren Faktoren ab, zum Beispiel von der Art des Wurmes, dem Alter der
Hunde sowie deren Immun- und Gesundheitszustand.
Muttertiere übertragen
Wurmlarven
Der gegen Ende der Trächtigkeit
veränderte Hormonstatus aktiviert die im Gewebe der Hündin ruhenden
Spulwurmlarven. So kommt es dann schon ab dem 42.Tag der Trächtigkeit,
also vor der Geburt (pränatal) zu einer Übertragung der Larven
vom Muttertier auf die Jungen. Wenn die Welpen dann geboren werden, sind
Wurmlarven vor allem in der Leber, aber auch im Gehirn, den Nieren in
der Muskulatur und in der Lunge zu finden.
Schon dreißig Minuten nach
der Geburt beginnen die ersten Larven von der Leber aus in die Lunge der
Welpen zu wandern. Von dort werden sie hochgehustet, dann abgeschluckt
und erreichen so den Dünndarm i. d. R. am zweiten oder dritten Tag
nach der Geburt.

Würmer in der Milch
Da reaktivierte Rundwurmlarven
auch in die Milchdrüse einwandern, stecken sich die Welpen über
die Muttermilch an (galaktogen). Bei den Spulwürmern hängt das
Ausmaß der pränatalen und galaktogenen Übertragung der
Larven vom Zeitpunkt der Infektion der Hündin ab. Da immer nur ein
gewisser Teil der ruhenden Larven mobilisiert wird, kann selbst ohne erneute
Infektion des Muttertieres auch bei weiteren Würfen eine Larvenübertragung
erfolgen. Reaktivierte Hakenwurmlarven werden nur mit der Milch auf die
Welpen übertragen. Beim Peitschenwurm spielt die Hündin als
Überträger keine Rolle. Anders als oft angenommen, erhält
der Welpe durch die mit der ersten Milch aufgenommenen mütterlichen
Antikörper keinen Schutz gegen Würmer.
Sozialkontakte fördern
Wurmkreislauf
Innerhalb kurzer Zeit entwickeln
sich aus den Larven im Darm der Welpen ausgewachsene Würmer. Sie
geben eine Vielzahl von sehr widerstandsfähigen Eiern ab, die mit
dem Kot in die Umwelt gelangen. Das Muttertier schleckt sie dann beim
Putzen der Jungen ab. Die Geschwister infizieren sich durch gegenseitiges
Belecken. In der Regel scheiden die jungen Hunde bis zur achten Lebenswoche
relativ viele Eier aus. Danach ist die Ausscheidungsrate geringer.

Muttertier-Entwurmung ist
Welpen-Schutz
Übliche Entwurmungsbehandlungen
erfassen die bei Hündinnen vorkommenden Ruhe- und Wanderstadien der
Spul- und Hakenwürmer nicht oder nur unzureichend. Um deshalb die
Verwurmung der Hundefamilien so gering wie möglich zu halten, empfehlen
Tierärzte ein spezielles Behandlungsschema für Zuchthündinnen.
Danach erhalten die Muttertiere ein gut verträgliches, sicheres und
auch für die ungeborenen Welpen unschädliches Breitbandanthelminthikum
nach folgendem Plan:
-
Regelmäßig
entwurmen in vierteljährlichen Abständen vor der nächsten
Trächtigkeit
-
Entwurmung
im letzten Drittel der Trächtigkeit gegen eventuell im Darm vorhandene
Würmer
-
Nach
der Geburt gleichzeitig mit den Welpen regelmäßig
in vierzehntägigem Abstand entwurmen.
Dieses spezielle Behandlungsschema für Hundefamilien
ist beim Tierarzt erhältlich.
Entwicklung korrekt entwurmter
Welpen
Es ist für einen Züchter
aufgrund der dauernden Ansteckung zwischen Muttertier und Welpen nahezu
unmöglich, einen Wurf wurmfrei aufzuziehen. Allerdings reduziert
die vierzehntägige Entwurmung der Welpen ab der zweiten bis zur zwölften
Lebenswoche die Gefahr von Gesundheitsschäden. Dazu gehören
unter anderem Blutarmut durch Hakenwurmbefall oder Darmverschluß
durch ausgewachsene Spulwürmer. Außerdem werden durch diese
regelmäßigen Entwurmungen die Würmer im Darm so frühzeitig
abgetötet, daß nur noch wenige Wurmeier ausgeschieden werden.
Die Kontamination in der Umgebung der Welpen wird reduziert und die lnfektionsgefahr
für Mensch und Tier herabgesetzt. Wurmmittel in flüssiger Form,
die nur einmal pro Entwurmung gegeben werden müssen, erleichtern
dem Züchter die Gesundheitsvorsorge.

Erfolgreich gegen den Peitschenwurm
Die Infektion mit dem Peitschenwurm
(Trichuris vulpis) ist im Vergleich zu den Spul- und Hakenwürmern
selten. Er wird nicht wie die anderen beschriebenen Rundwürmer pränatal
oder galaktogen von den Muttertieren auf die Welpen übertragen. Aber
die widerstandsfähigen Eier machen ihn jahrelang infektionsfähig.
Durch eine dicke Hülle gegen die Umwelteinflüsse geschützt,
überleben sie sogar viele Desinfektionsmittel.
Aufgrund der stärkeren Belastung (Kontamination) des meist kleinen
Areals eines Hundezuchtbetriebes mit Eiern dieses peitschenähnlichen
Parasiten besteht hier natürlich ein besonderes Ansteckungsrisiko.
Nur durch intensive Entwurmungsmaßnahmen kann dieser Parasit, der
zu Blutungen und Entwicklungsstörungen bei Junghunden führen
kann, bekämpft werden. Nur wenige der gängigen Entwurmungsmittel
für Welpen und Junghunde zeigen aber eine gute Wirksamkeit speziell
gegen diesen Parasiten. Da der Peitschenwurm eine lange Entwicklungszeit
hat, sie liegt zwischen siebzig und neunzig Tagen, werden Folgeschäden
aufgrund einer fehlerhaften Entwurmung erst spät sichtbar. So kann
es vorkommen, daß ein verantwortungsvoller Züchter zwar regelmäßig
seine Hundefamilie behandelt hat, aber trotzdem der neue Besitzer einen
hochgradig verwurmten Welpen erhält.
Deshalb fragen Sie Ihren Tierarzt gezielt nach einem verschreibungspflichtigen
Medikament, das nicht nur gegen Spul- und Hakenwürmer, sondern auch
speziell gegen den Peitschenwurm wirkt.
Hygiene bleibt ein Muß
Selbst bei korrekter Entwurmung der Hunde sind hygienische Maßnahmen
weiterhin dringend anzuraten. So ist es selbstverständlich, regelmäßig
den Kot zu entfernen, die Zwingeranlagen, Wurfkisten und Ausläufe
der Hundefamilien täglich zu reinigen und auch regelmäßig
zu desinfizieren.
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